Ich bin kein politischer Mensch. Ich habe natürlich eine Meinung, gehe wählen und les auch schonmal Artikel zu aktuellen politschen Themen. Ich kann also theoretisch schon ein bisschen Mitreden, wenn es um Politik und deren verschiedenen Richtungen geht. Aber eigentlich will ich das nicht. Für mich steht immer der Mensch im Vordergrund. Sein Charakter, seine Art. Ich habe Freunde, die die Ansichten der Linken vertreten, aber genauso gut FDP-Wähler. Und natürlich bin ich schonmal anderer Ansicht, wenn es um politische Ereignisse geht, aber das stört mich nicht. Solange ich noch über jeden anderen Mist mit ihnen reden kann. Und so wie ich Politik größtenteils aus meinen Leben raushalten will, so will ich es eigentlich auch aus diesem Blog raushalten. Politische Richtungen sind eigentlich kein Teil meines Lebens und so mit auch hierfür nicht relevant. Aber seit gestern beschäftigt mich was, was auch mit politischen Tendenzen zu tun hat und so komme ich diesmal nicht drumherum.
Wenn es ein Problem gibt bei unseren Jahrgangspartys, dann ist es das Aufeinandertreffen von linken Besoffenen und rechten Besoffenen. Hat uns schon so einige Partyabschlüsse versaut. In unserem Jahrgang gibt es Leute, die diesen Fronten angehören, beispielsweise Freunde unter ihnen haben. Früher war noch die Sache, dass man sich einreden konnte, dass die Typen keine richtigen Faschos sind. Sie waren halt Typen mit Silberkettchen und nem Bösen Blick. Aber gestern war es anders. Die Typen, die da draussen rumstanden sind nun nicht mehr die gelangweilten Dorftypen von früher. Sie sind Nazis und sie zeigen es auch. Da werden dann halt T-shirts mit der Aufschrift Blitzkrieg und dahinter einem Runenkreis getragen und alle Herren haben die gleiche Reflektierkopffrisur. Ihr Erscheinungsbild ist eindeutig. Und die Reaktionen der anderen Gäste reichten von Abscheu, über Angst bis hin zur Resignation. Und ich hab mich den Abend über gefragt, können wir, die Veranstalter, sowas passieren lassen? Wann muss man den Schlussstrich ziehen und Leute aufgrund ihrer politischen Einstellung bei sowas Hausverbot erteilen. Ich wollte gestern nicht in Björns Haut stecken. Ich denke, dass er sich diese Leutchen auch nicht wirklich gewünscht hat. Aber manche von denen waren in unserem Jahrgang. Und ich mit einen von ihnen war ich früher sogar relativ gut befreundet. Er war ein lustiger Kerl und er ist es noch heute, dass macht die Sache nicht einfacher.
Eigentlich zeigt sich hier nur dieser alte Konflikt, den ich ständig mit mir selbst diskutiere. Ab wann muss man eine freundschaftliche Beziehung aufgeben, weil die politischen Meinungen zu extrem werden. Es äussert sich ja nicht direkt im Charakter. Also nicht bei allen. Aber es sind Typen, die den Holocaust in seiner historisch belegten Form leugnen. Sie sind gegen den demokratischen Staat. Sie sind an sich Menschenfeinde.
Ironischerweise blieb mit den Glatzen gestern alles friedlich. Sie warn halt da und man ging sich aus dem Weg. Aber trotzdem. Können wir solche Leute dulden? Und bevor mich hier jemand als einseitig bezeichnet. Ich hätte genauso gekotzt, wenn da plötzlich der schwarze Antifa Block gesessen hätte.
Die dummen Dorfnazis von früher, die vielleicht damals belächelt wurden, sind aufeinmal erwachsen. Vielleicht nicht immer auf Stress aus, aber mit Aggression im Blick. Und Sie kommen halt auf unsere Partys. Wie früher. Früher war einer von denen vielleicht dein Banknachbar in Bio und nun steht er auf der anderen Seite bei ner Demo. Die Forster Jugend meiner Generation wird groß. Aber nicht unbedingt klüger.
Als mein ehemaliger Mitschüler mit der Kurzhaarfrisur vor mir und 2 Kumpels steht, begutachten wir sein T-Shirt. "National Born Hater" lesen wir. Wir schaun ihn mit traurigen Blick an, ich murmel zu mir selber "Da wächst man wohl rein", stehe auf und gehe...