Mittwoch, 5. Dezember 2012

Türchen Nummer 5

Auch heute wieder ein Wiederholungstäter. Der David. Letztes Mal noch über nette Krippenspielerinnerungen, aber diesmal Shit got serious. Heißes Eisen, ich packs nicht gern an, aber naja da muss auch mal drüber gesprochen werden. Für alle die noch am Zweifeln sind, ob sie hier wirklich was bringen wollen: Es gibt weder ein inhaltliches Mindestmaß, noch eine Mindestzeichenanzahl. Bring it People! 




Nie wieder Krieg?

Frieden. Ein Begriff, der wohl zu keinem Jahresabschnitt so gut zu passen scheint, wie zum Advent. Wir machen es uns so gut es geht gemütlich, verbringen Zeit mit der Familie und bereiten uns auf Weihnachten, das „Fest der Liebe“ vor. Und dennoch bedarf es nicht einmal der alljährlich im Dezember besonders intensiven Spendenaufrufe internationaler Hilfsorganisationen, um zu sehen, dass die Welt keineswegs liebevoll und friedlich ist. Der so oft beschworene Blick in die Tagesnachrichten reicht 
aus.                                                              
Die Vorstellung einer Welt frei von physischer Gewalt ist nicht neu. In den letzten Jahrhunderten haben sich die klügsten Köpfe Gedanken um Wege zum ewigen Frieden gemacht. Eine fortgeschrittene Aufklärung sollte zu einer höheren moralischen Verantwortung führen. Nationen sollten internationale Regeln einhalten und Konflikte am Verhandlungstisch statt auf dem Schlachtfeld austragen, so war die Hoffnung. Doch stattdessen hat die menschliche Intelligenz vor allem neue Wege erfunden, andere Menschen zu vernichten. Die Welt ist kein friedlicher Ort, sie war es noch nie und das ist schlimm. Jeder wünscht sich ein Leben in Freiheit und Unversehrtheit und doch ist es nur sehr wenigen Menschen vergönnt. Auch und besonders auf deutschem Boden wurden viele grausame Konflikte ausgetragen. Es ist verständlich, dass das Widerstreben gegen jegliche Gewaltanwendung gerade hier in besonderer Weise ausgeprägt sein sollte.                                                           
Nach dem Grauen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts wurde die Friedensbewegung zu einer starken politischen Strömung. Hieß es in der Weimarer Republik noch „Nie wieder Krieg!“ Kamen nach 1945 noch „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Auschwitz!“ dazu. Im Zuge von Vietnamkrieg und atomarer Aufrüstung wuchs auch die Anzahl derer, die den absoluten Pazifismus als Alternative propagierten. Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die oberste Maxime unter politisch interessierten Menschen ist, immer und überall gegen Krieg zu sein. Egal, ob damit Menschenleben gerettet werden könnten oder nicht. Krieg ist immer unmoralisch. Selbst wenn ein Terroristenführer präzise durch eine Drohne erledigt wird, finden sich Ankläger gegen dieses „skrupellose“ Verfahren. Wenn ein Staat seine Bewohner vor Angriffen durch Militäraktionen schützen möchte, schlägt ihm Unverständnis entgegen.                                                                                             
Leider wird übersehen, dass sich „Nie wieder Krieg!“ und „Nie wieder Auschwitz!“ durchaus widersprechen können. Europa wurde vom Naziregime nicht durch Friedensmärsche und Lichterketten befreit (auch wenn die Vorstellung schön ist), sondern durch einen Krieg. Hier kommen wir dem Problem näher. Denn konsequenterweise bedeutet ein genereller Verzicht der "westlichen Welt" auf kriegerische Mittel auch, dass man eben Völkermorde und Bürgerkriegsverbrechen in anderen Regionen wissentlich geschehen lässt. Wo selbst die Verteidigung gegen Angriffe missbilligt wird, fordert man ein widerstandsloses Nachgeben gegenüber gewalttätigen Gruppierungen, die selbst keine Gnade zeigen. Der jesuanische Ansatz, dem Anderen auch noch die linke Wange hinzuhalten, ist nach wie vor für mich persönlich ein wichtiger Maßstab für ein friedliches Zusammenleben, wie die gesamte Bergpredigt. Ich kann das aus eigener Entscheidung so halten, wenn ich angegriffen werde. Diese Haltung aber von Staatsmännern (und –frauen) zu fordern, die die Verantwortung für tausende von Menschen tragen, die dies unter Umständen nicht teilen, halte ich für falsch. Aus unserem sicheren Wohnzimmer heraus von den Menschen in Sderot und Nordnigeria diese Haltung der Selbstopferung zu verlangen, ist zynisch.
Es bleibt nun noch die Hoffnung auf einen gerechten, objektiven Völkerbund, der Konflikte aus dem Weg schaffen und verbindliches, allgemein akzeptiertes Recht schaffen kann. Darauf begründet sich das weitverbreitete Vertrauen auf die UNO, ihre Richtlinien und Sanktionen. Doch wie kann eine internationale Staatengemeinschaft demokratisch funktionieren, in der gerade einmal die Hälfte der Staaten selbst Demokratien sind? In der ein Land wie Lybien einmal den Vorsitz des Sicherheitsrates innehaben  durfte? Sind vernünftige Ratschläge zu einem Konflikt zu erwarten, in dem ein großer Teil der UN-Mitglieder Eigeninteressen verfolgt? Angesichts dessen kann man es einigen Staaten in Konflikten nicht verdenken, herzlich wenig auf Beschlüsse der Vereinten Nationen zu geben und sich anzumaßen, eigene Lösungsansätze zu verfolgen.
Ich selbst bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen in dem die „Kriegsdienstverweigerung“ und eine pazifistische Grundhaltung selbstverständlich waren. Nicht ohne Grund habe auch ich den Wehrdienst verweigert. Ich möchte hier nicht den Versuch unternehmen, den Krieg als optimales Mittel der Friedenssicherung darzustellen. Dennoch würde ich mir wünschen, dass etwas mehr darüber nachgedacht würde, was es heißt, den Krieg als Mittel der Politik grundlegend auszuschließen. Manchmal muss eben der Frieden doch in der Androhung von Gewalt bestehen, auch wenn das nicht besonders schön ist. Wie gut wäre es, wenn man sich eines Tages weltweit friedlich und nach reiflichen Überlegungen einig werden könnte. Das ist ein edles Ziel, das wir weiterhin verfolgen sollten. Doch dafür bedarf es weltweit überlegter und zuverlässiger Akteure, davon sind wir weit entfernt. Man sollte denjenigen, die nur einseitig vom Pazifismus profitieren um ihre Interessen durchzusetzen, ihn aber mit Füßen treten nicht das Feld überlassen. Mir ist ein zwischenzeitlicher Frieden „auf den Spitzen der Bajonette“ lieber, als einer,  der schlicht auf dem Schließen der Augen angesichts von Barbarei besteht.



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Kommentare:

Henry hat gesagt…

Kriege überwindet man nicht mit Kriegen. Abwehr endet an der eigenen Landesgrenze. Ein Staat kann nur von Innen bekämpft werden.

Deine Argumentation ist nachvollziehbar, und trotzdem verurteile ich deinen Standpunkt aufs Tiefste, weil er versucht, Krieg zu einer Alternative werden zu lassen.

Krieg ist keine Alternative. Er führt immer nur zu noch mehr Leid, egal auf welcher Seite. Abwehr hingegen ist gerechtfertigt, wenn diese allein darauf beruht, Kriegsmittel zu zerstören.

Weiterhin verlangen Völkermorde, Kriegsverbrechen und Unmoral wesentlich mehr Feingefühl in der Analyse als du es an den Tag legst. Es ist einfach, eine Seite auszuwählen und mit dieser zu sympathisieren. Viel schwieriger ist es allerdings, sich gleichzeitig in deren Feind hineinzuversetzen und seine Motivationen nachzuvollziehen.

Länder haben kein Recht dazu, über andere Länder zu bestimmen. Solange andere Länder nicht direkt um Abwehrhilfe bitten, haben wir ebenfalls auch kein Recht dazu, uns in ihre Staatsangelegenheiten einzumischen. Wenn Menschen sich gegen ihren Staat stellen, steht es ihnen frei, einen Asylantrag zu stellen und das Krisengebiet zu verlassen.

Henry hat gesagt…

https://www.youtube.com/watch?v=PScUdYTO0UM

Jonathan Strange hat gesagt…

Also, ich kan Davids Standpunkt sehr gut nachvolziehen und ich denke nicht, dass er zu wenig Feingefühl an den Tag gelegt hat, es ist immerhin ein Kommentar und kein Sachbuch und nur weil er etwas nicht hingeschrieben hat, heißt es ja nicht, dass er nicht darüber nachgedacht hat...

Und zu dem letzten Absatz hat David in seinem Text mMn. genug gesagt:
Wenn man sich während des Naziregimes von der Seite der Alliierten so verhalten hätte, wäre der Holocaust vollendet worden, nur so als Ansatz...

Die einzige Sache, bei der ich mir nicht so sicher bin, ist die Sache mt der israelitischen Reaktion auf den Beschluss der UN, die Palestinänser anzuerkennen.

Vorsicht und Besorgnis in allen Ehren, aber das Fortführen des Siedlungsbaus, gerade nach dem Beschluss ist vollkommen absurd, also in diplomatischer Hinsicht und ist, soweit ich weiß, nur auf die innere Spaltung Israels und die starken Ultraorthodoxen zurückzuführen.

Alles in allem aber ein sehr gelungener Kommentar, lese gern von dir :-)!

Henry hat gesagt…

Ich habe keinen Respekt für Personen, die Kriege verteidigen. Und dein "Was wäre wenn"-Szenario ist vollkommen belanglos. Meine Auffassung bezieht sich auf die heutige Zeit. Und sie spricht sich auch nicht gegen eine Abwehrhaltung oder gegen ein Militär aus. Du begehst aber genau den gleichen Fehler, indem du einem Lagerdenken verfällst. Ich habe echt genug dazu geschrieben. Ich habe keinen Bock mehr auf solche Diskussionen. Dieser Scheiß macht mich einfach zu traurig, als dass ich irgendetwas von eurem Gelaber ernstnehmen könnte.

Jonathan Strange hat gesagt…

Dann verstehe ich aber nicht so richtig, was du genau an Davids Artikel kritisierst.

Er hat doch nie davon gesprochen, Krieg als ausschließliches Mittel oder als "gutes" Mittel zur Konfliktlösung zu benutzen.

So wie ich es verstehe geht es ihm nur darum, Krieg nicht von vornherein absolut auszuschließen.

Außerdem ging es dabei, so wie ich es sehe, ausschließlich um einen zur Abwehr dienlichen Krieg, so wie du ihn ja auch nicht ausschließt, bzw. um einen Krieg, der sich gegen Völkermorde richtet.

Es war nie die Rede davon, Krieg in irgendeiner Hinsicht als "gut" zu rechtfertigen.

Henry hat gesagt…

Ich hasse das Militär, sehe aber eine Notwendigkeit darin, Verteidigung zu besitzen, um die Bevölkerung zu schützen. Nichts weiter. Es gibt keinen zum Abwehr dienlichen Krieg. Es gibt keine Notwendigkeit für einen Krieg zum Schutz der Bevölkerung. Hör auf, mich da mit hineinzuziehen!

Abwehr bedeutet, dass ich einen kriegerischen Akt verhindere und mich dann zurückziehe. Krieg bedeutet, dass ich durch Gewalt Recht bekommen möchte.

Matti hat gesagt…

Ich glaube, das Problem ist, dass jeder immer einen "Feind" findet, gegen den man sich eventuell verteidigen können muss. Und wenn Partei A so über Partei B und Partei B so über Partei A denkt, sind beide im Besitz von Waffen (und auf Waffen steht nicht drauf "nur zur Verteigung geeignet").
Demzufolge fällt es schwer zu sagen "ich brauche keine Waffen", wenn man nicht weiß, ob der andere genauso denkt. Ein wirklich schwieriges Thema...

David hat gesagt…

Zur Diskussion will ich mich nicht eingehend äußern. Der Artikel ist ja bewusst vereinfachend gefasst, da es sich um einen Blogbeitrag handelt, der gerade zur Diskussion anregen soll, nicht um eine detailliert wissenschaftliche Analyse. Also zu Henry nur so viel - der Krieg der Alliierten hat die Bevölkerung durchaus vor weiteren Untaten des Hitleregimes bewahrt und ich bin ihnen sehr dankbar dafür.
Jonathan, du hast recht, die Sache mit der Anerkennung der PLO als Beobachter in den UN ist eine Sache, über die man nicht leichtfertig urteilen kann. Als ich den Artikel "eingereicht" habe, war das allerdings noch gar nicht geschehen. Ich bezog mich mehr auf vergangene Direktiven dieser Organisation. Generell habe ich bewusst versucht, nicht konkrete Länder zu benennen, auch nicht Israel.